Friedrich II. hat in seiner 30-jährigen Regierungszeit als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches etwas wie 111 Burgen im Reich Sizilien errichten oder restaurieren lassen. Er stammte aus den zwei mächtigsten und wichtigsten Familien des XII. Jahrhundert, die der Staufer und der normannischen Familie der Hauteville, von dem er mit nur 4 Jahren das größte und reichste Königreich der italienischen Halbinsel, das Königreich Sizilien, erbte, den Thron des Heiligen Römischen Reiches und die deutsche Krone, musste er sich aber mit sehr viel Geschick, List und ein wenig Glück erobern, vor allem aber brauchte er die Hilfe seines Mentors, Papst Innozenz III. und die des französischen Königs Philipp August um seinen Gegner, Otto IV. von Braunschweig, zu besiegen.

Nachdem er seine Rechte auf deutschem Boden geltend gemacht hat und gewaltsam die rebellischen Baronen, die ihn am 9. Dezember 1212 in Mainz zum König von Deutschland gekrönt hatten, unterwarf, kehrte er nach einer langen Abwesenheit von etwa 8 Jahren in das geliebten Königreich Sizilien zurück. Nicht aber bevor er seinen erstgeborenen Sohn, Enzo, zum Mitregenten krönen lies und ihn in Deutschland zurück lies.

Nachdem er nach Italien zurückgekehrt war, marschierte er nach Rom wo er vom Papst Honorius III., als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, gekrönt wurde. Es war der 22. November 1220, im März 1221 besuchte er zum ersten Mal Apulien. Dieses Land, reich an Wäldern, Flüssen und antiken künstlerischen Zeugnissen, die von den Griechen und Byzantinern bis zu seinen Vorfahren, den Normannen, reichte, eroberte sofort sein Herz und machte daraus seine Wahlheimat. Bis zu seinem Tod verging kaum ein Jahr in dem er nicht mindestens ein mal im Jahr nach Apulien reiste.

Unmittelbar nach der Krönung Friedrichs II. begann er sofort mit dem Aufbau eines zentralisierten Staates mit der Entmachtung der lokalen Barone und der lokalen Kirche. Er baute oder verbesserte viele Burgen und Schlösser, all dies gipfelte mit der Veröffentlichung der sogenannten “Kostitutionen von Melfi” oder “Liber Augustalis” im Jahre 1231, die nach der gleichnamigen Stadt in der heutigen Basilikata genannt wurden und mit der Eröffnung der ersten säkularen Staatlichen Universität Europas im Jahre 1224 in Neapel. Mit diesen neuartigen Gesetzbuch wollte er die Macht und Privilegien von Adelsfamilien und Prälaten begrenzen, die Macht in den Händen des Kaisers zentralisieren und auch Frauen in die Feudalnachfolge einbeziehen. Verfassung, die mit einigen kleinen Änderungen bis zur Einheit Italiens in Kraft blieb.

Wechseln wir jetzt aber zum Hauptgegenstand dieses Artikels, Castel del Monte. Was unterscheidet dieses Bauwerk, das so einzigartig wie strategisch auf der apulischen Murgia im Gebiet von Andria liegt, von den anderen Burgen, die der Kaiser während seiner Regentschaft in der apulischen Region erbaute? Was macht diese Konstruktion so einzigartig, dass sie jedes Jahr von Touristen aus aller Welt gestürmt und von über 206.000 Menschen pro Jahr besucht wird? Sehr schwierige Fragen, auf die selbst die leidenschaftlichsten Gelehrten noch keine Antwort geben konnten.

Unter allen Bauwerken seines Königreiches spickt Castel del Monte hervor. Aber warum? Ja man könnte sagen wegen der geometrischen Perfektion, aber natürlich reicht dass nicht aus. Castel del Monte wurde an einer strategischen Stelle an der Grenze zwischen der Capitanata und der Terra di Bari gebaut. Wie viele fantasievolle und rätselhafte Theorien und Annahmen wurden über diese bewundernswerte Konstruktion gemacht und / oder um ihre Funktion zu erklären? Theorien, die vom einfachen “castellum”, zum Tempel, Hamam, astronomischen Zentrum und Jagdhaus gehen. Alle Theorien über Castel del Monte beruhen auf der Annahme, dass der Bau nicht die typischen Merkmale eines Schlosses hätte: die Zugbrücke, der Graben, die Mauer, die Küchen, die Ställe und so weiter, alles laut diesen Theoretikern, fehlt.

Apulien lebte damals zuerst unter den Normannen und dann unter den Schwaben, seinen goldenen Zeitalter. Für die beiden Familien stellte die östlichste Region Italiens die natürliche Brücke zu den reichen Ländern des Ostens dar und war ein Kreuzweg von Menschen, Ideen und Gütern und somit ein grundlegender Teil des Reichtums des Königreichs. Schon die Normannen, unter Roger II., versuchten mit dem Bau von Aussichtstürmen und Schlössern die Gegend vor Piratenüberfällen und der Republik Venedigs zu sichern. Das setzte Friedrich, der in die Geschichte nicht nur mit den Spitznamen „Stupor mundi“ und „puer Apuliae“ bekannt ist, sonder auch als Schlößebauer bekannt ist, fort.

Besaß Castel del Monte wirklich nicht alle jene Eigenschaften, die in der kollektiven Einbildungskraft eine mittelalterliche Burg identifizieren würden? Leider, ist unsere kollektive Vorstellung der mittelalterlichen Schlösser oft vom einigen Bücher beeinflusst, wie das von 1764 von Horace Walpole, „The Castle of Otranto“, der die „klassische“ Burg mit Zugbrücke, Wassergraben, Schießscharte usw. darstellt wird. Wenn wir Apulien ein bisschen erforschen, werden wir zum Beispiel in Brindisi noch eine weiter Burg finden die ohne Graben gebaut wurde.

Aus einem Reisebericht des 17. Jahrhundert erfahren wir, dass um Castel del Monte Pferdeställe und Holzhütten noch im Stande waren. Es ist offensichtlich, dass diese Konstruktionen im Laufe der Zeit zerstört wurden und heute scheinen sie zu fehlen. Da Castel del Monte auf einen 540m hohen Hügel lag, brauchte es sicherlich keinen Wassergraben zur Verteidigung. Wenn man den Eingangsportal genau betrachtet, sieht man eine Spalte, wo durch ein Fallgitter alles sicher stellen konnte. Das ist aber nur für den Haupteingang der Fall, denn der Hintereingang hatte keine Sicherheitsmaßnahme, dieser Mangel wird von den Theoretikern als Beweis genommen, dass diese Struktur keine Verteidigungsburg sein konnte. Was den vermeintlichen Mangel an Küchen innerhalb des Herrenhauses anbelangt, können wir Schornsteine sehen, die nicht nur zum Heizen, sondern auch zum Kochen von Speisen verwendet werden konnte. Wofür mussten spezielle Räume in Küchen verwendet werden? All diese Überlegungen, die auf wissenschaftlicher und historischer Strenge basieren, lassen uns erkennen, dass Castel del Monte eine ganz normale Burg war, sonst würde es nicht einmal „Castello presso Santa Maria del Monte“ genannt werden können. Man sollte meinen, wenn Friedrich in seinem Territorium von einer Seite zur anderen zog, bewegte er sich nie allein, sondern wurde immer von seinen Hof verfolgt, der sicherlich Dutzende von Menschen zählte, also ist es offensichtlich, dass keines seiner Schlösser den gesamten Hof beherbergen konnte und daher bei jedem Besuch ein provisorisches Lager mit allem Notwendigkeiten für die Dauer des Aufenthalts errichtet werden müssen.

Aber dann fragt man sich, was hat den Castel del Monte für eine Funktion? Der ehemalige Geschichtsprofessor an der Universität von Bari und großer Experte der Staufer, Prof. Licinio behauptet, dass es einfach nur ein Schloss mit einer Vielzahl an Funktionen ist: Verteidigungsburg, Wohnsitz, Jagdschloss oder Repräsentationssitz (es ist das greifbare Symbol kaiserliche Macht Friedrichs II.). Der Historiker Giosuè Musca definierte stattdessen Castel del Monte als ein Herrenhaus mit vielen Funktionen. Ein weiterer großer Fehler, der von denjenigen Theoretikern gemacht wurde, ist es der, dass sie es nicht als Burg betrachtet haben, sie haben die Struktur vom Burgverteidigungssystem Friedrichs in Apulien de-kontextualisiert: die Schlösser waren alle miteinander verbunden und wurden an präzisen Orten platziert, um die Funktion der Kommunikation von Schloss zu Schloss durch Feuer oder Rauch zu erfüllen

In der Tat, in den am meist zitierten Dokument, dass der Kaiser von Gubbio am 28. Januar 1240 den Justizär der Capitanata, Riccardo von Montefuscolo, in Nordapulien schickte, schreibt der Kaiser, dass er sich um die Fertigstellung des „castrum“ bei Sancta Maria del Monte und dem Abschluss der Arbeit kümmern soll, weiter kann man in diesen Dokument das Wort “actractum”, erkennen, das nur eine Bedeutung haben kann, das die Dachbedeckung beendet werden soll. Deshalb kann man glauben, dass, das „castrum“ so gut wie fast fertiggestellt sein musste oder zumindest, dass die arbeiten gut voran geschritten waren. Auch weil der Kaiser im Jahre 1240 schon seit einiger Zeit im Krieg mit den norditalienischen Kommunen war, die Staatskassen waren nicht voll und deswegen ist es unwahrscheinlich, dass er neue Burgen im Auftrag gab.

Oftmals vergisst man, dass mit diesem ersten Brief, der Kaiser eine zweiten gesendet hat. Neben dem Befehl ihm über die Fortschritte der Baustelle „Castel del Monte“ zu informieren, befahl er Riccardo di Montefuscolo, alle anderen Schlösser und Burgen der Capitanata für die Ankunft des Kaisers, mit den nötigen Proviant und Lebensmittel vorzubereiten. Den der Kaiser wahr nach einer fast fünfjährigen Abwesenheit kurz vor seiner Rückkehr in seiner Wahlheimat. Ein weiterer Grund, der nicht übersehen werden sollte ist die Tatsache, dass der größte Teil des Materials im Bau des Schlosses, wie der Stein, der in der Verschönerung der Portale und Fenster verwendet wurde, aus der heutigen Provinz Foggia stammte. Deswegen kam der Justizär der Capitanata ins Spiel und nicht wie es logisch gewesen wäre, der Justizär der Terra di Bari, in dessen Territorium Castel del Monte damals lag.

Was die Besucher von Castel del Monte anzieht, ist nicht die achteckige Struktur des Schlosses, was für eine Burg, einzigartig erscheinen mag, sondern die Geschichte seines Erbauers, einer der charismatischsten Persönlichkeiten des Mittelalters. Am 13. Dezember 1250, als Friedrich II. starb, konnte er einen wirklich einzigartigen “Lebenslauf” vorweisen: neben Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war er auch König von Deutschland, König von Italien, König von Sizilien und wenn auch nur formal, König von Jerusalem also ein wahrhaft einzigartiger Charakter auch für die Zeit, in der er lebte, so einzigartig, dass er vom deutschen Philosophen Nietzsche als “erster Europäer” betrachtet wurde. Dies ist einer der Hauptgründe für jeden Fan der mittelalterlichen Geschichte oder Hohenstaufer, Andria zu besuchen und eines der schönsten und faszinierendsten Bauwerke der Welt zu besuchen, das von der UNESCO als Weltkulturerbe im Jahre 1996 anerkannt wurde.